Überblick zu den Förderungen für Löschwasserzisternen und Löschwasserbehälter in Deutschland, Österreich, Schweiz sowie Luxemburg

Hinweis: Ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit!

Abgelegene Lagen verfügen häufig über keine oder eine ausreichende öffentliche Löschwasserversorgung, d. h. weder öffentliche Hydranten, noch ein ausreichender Wasserfluss aus dem Trinkwassernetz sind vorhanden. In solchen Fällen verlangen Feuerwehren und Gemeinden oft einen objektbezogenen Löschwasservorrat, der schnell erreichbar, ganzjährig nutzbar und technisch einwandfrei ist. In Deutschland, der Schweiz, Österreich sowie in Luxemburg gibt es oft Förderungen für die Errichtung von Löschwasserzisternen und Löschwasserbehältern. Diese werden in vielen unterschiedlichen Bereichen eingesetzt.

Öffentliche Förderung in Deutschland

Diese Zusammenstellung fasst den aktuellen Stand (2025/2026) der öffentlichen Förderungen von Löschwasserzisternen und mobilen Löschwasserkissen in Deutschland und ausgewählten Bundesländern mit hohem Brandrisiko zusammen.

Wenn Sie planen oder beraten, beachten Sie den „Bundes-Joker“: Seit kurzem gibt es das Bundesprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“.

  • Dies ist bundesweit gültig (unabhängig vom Bundesland).
  • Wer sich zertifizieren lässt (PEFC/FSC + Klimamodule), erhält jährliche Hektar-Prämien.
  • Dieses Geld ist nicht zweckgebunden und wird von vielen Waldbesitzern aktuell genutzt, um Zisternen zu finanzieren, ohne durch die bürokratischen Mühlen der einzelnen Landesanträge gehen zu müssen.

Es gibt Bundesmittel, die jedoch an strenge ökologische Auflagen geknüpft sind.

  • Programm: „Klimaangepasstes Waldmanagement“ (GAK-Mittel / BMEL).
  • Status: Dieses Programm war extrem beliebt, weshalb Mittel oft schnell ausgeschöpft sind (aktuell oft Aufnahmestopps oder Wartelisten, hier muss man schnell sein, wenn neue Töpfe freigegeben werden).
  • Relevanz: Wer hierüber fördert, muss sich zu einem nachhaltigen Waldumbau verpflichten (z.B. 5% Stilllegung, Laubholzanteil), erhält dafür aber Pauschalen, die auch für Infrastruktur wie Zisternen genutzt werden können.

Wichtige Unterscheidung: Bau vs. Ausrüstung

  • Feste Zisternen (Beton/GFK): Werden als Baumaßnahme (Infrastruktur) gefördert. Zuständig: Forstamt oder Amt für Ländliche Entwicklung.
  • Löschwasserkissen (Mobil): Diese gelten oft als Feuerwehrausrüstung. Hierfür müssen Kommunen Anträge beim Innenministerium (Feuerschutzsteuer) stellen, ähnlich wie für ein neues Fahrzeug oder Schläuche. In Sachsen und Niedersachsen werden diese zunehmend als „Standardbeladung“ für Waldbrandkomponenten gefördert.

Tipp für die Antragstellung: Wenn Sie eine Zisterne planen, prüfen Sie zuerst, ob das Gebiet in einer LEADER-Region liegt. Diese EU-Töpfe für den ländlichen Raum sind oft flexibler und schneller bei der Bewilligung von „Kleinprojekten zur Daseinsvorsorge“ (wozu Löschwasser gehört) als die großen Landesprogramme.

Im Folgenden sind die Bundesländer sind nach Dringlichkeit und Aktivität (Waldbrandgefahrenklassen) sortiert.

öffentliche Förderungen für Löschwasserzisternen, Löschwasserkissen & Löschwasserbehältern
öffentliche Förderungen für Löschwasserzisternen, Löschwasserkissen & Löschwasserbehältern

1. Die „Hochrisiko-Länder“ (Osten & Norden)

Hier ist der Leidensdruck durch sandige Böden und Kiefernwälder am höchsten. Es fließen die meisten Mittel.

Brandenburg (Waldbrandland Nr. 1)

  • Wo wird gebaut? Flächendeckend, Schwerpunkte in Potsdam-Mittelmark, Elbe-Elster und Oder-Spree. Fokus auf die Sanierung alter Tiefbrunnen in Kombination mit Zisternen-Puffern.
  • Technologie: Vorwiegend unterirdische Beton-Zisternen (50–100 m³) und geschlossene Löschwasserbrunnen. Offene Teiche werden wegen Verdunstung seltener gefördert.
  • Förderung:
    • Programm: Richtlinie Waldschutz.
    • Satz: Bis zu 100 % für Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse und Kommunen.
    • Besonderheit: Höchste Förderdichte Deutschlands. Es gibt spezielle Programme zur Kampfmittelräumung auf Wegen zu den Zisternen.

Sachsen (Fokus: Gebirge & Heide)

  • Wo wird gebaut? Sächsische Schweiz (nach den Bränden 2022), Nordsachsen (Heidegebiete) und Görlitz.
  • Technologie:
    • Gebirge: Kombination aus festen Zisternen an Hauptwegen und mobilen Faltbehältern (Pufferspeicher) für den Pendelverkehr.
    • Flachland: Reaktivierung alter Löschteiche und Neubau von Zisternen.
  • Förderung:
    • Programm: Richtlinie Feuerwehrförderung (RLFw) & Richtlinie Wald und Forstwirtschaft (RL WuF).
    • Satz: Regelförderung 75 %, bei finanzschwachen Kommunen bis 90 %.
    • Besonderheit: Sehr hohe Akzeptanz für mobile Systeme („Waldbrand-Komponenten“), die als Feuerwehrtechnik gefördert werden.

Sachsen-Anhalt (Fokus: Harz)

  • Wo wird gebaut? Massiv im Harz (Totholzgebiete) und in der Altmark.
  • Technologie: Aufbau von Zisternenketten entlang der „Wundstreifen“ (Schutzschneisen). Vermehrt Einsatz von Löschwasserkissen als temporäre Sommerlösung in Schutzgebieten.
  • Förderung:
    • Programm: Richtlinie Brandschutz (spezielle Waldbrand-Budgets seit 2023).
    • Satz: Oft Einzelfallentscheidungen mit hohen Quoten (80–100 %), da Landesinteresse besteht (Nationalpark).

Mecklenburg-Vorpommern

  • Wo wird gebaut? Ludwigslust-Parchim (Griese Gegend) und Vorpommern-Greifswald. Oft auf ehemaligen Truppenübungsplätzen.
  • Technologie: Ertüchtigung von Entnahmestellen und Brunnenbau.
  • Förderung:
    • Programm: Waldbrandschutzrichtlinie.
    • Satz: Bis zu 100 % für Maßnahmen des Wegebaus und der Wasserversorgung im Wald.

Niedersachsen

  • Wo wird gebaut? Lüneburger Heide (historisch hohes Risiko), Wendland und Harz.
  • Technologie: Klassische Zisternenbauweise in der Heide; mobile Lösungen im Harz.
  • Förderung:
    • Programm: Zuwendungen für den Brandschutz (Z-Brandschutz) und Forstliche Förderung (GAK-Mittel).
    • Satz: Variiert stark, meist 40–70 %.
    • Besonderheit: Förderung oft gekoppelt an landwirtschaftlichen Wegebau.

2. Die „Mittelgebirgs-Länder“ (Mitte & Süden)

Hier verschiebt sich der Fokus vom reinen Waldbrandschutz hin zum Schutz abgelegener Infrastruktur (Höfe, Weiler) und zur Klimaanpassung.

Hessen

  • Wo wird gebaut? Nordhessen (große Waldgebiete), Rhein-Main-Gebiet (Schnittstelle Wald/Stadt).
  • Technologie: Feste Zisternen (Löschwasserbehälter nach DIN 14230) sind Standard bei Bauvorhaben im Außenbereich.
  • Förderung:
    • Programm: Brandschutzförderrichtlinie.
    • System: Festbetragsförderung. Das Land zahlt pauschale Beträge pro m³ geschaffenem Wasservorrat (z.B. X Euro pro m³ Behältervolumen).
    • Voraussetzung: Eintragung ins Geoportal Hessen.

Thüringen

  • Wo wird gebaut? Thüringer Wald und Schiefergebirge.
  • Technologie: Sanierung historischer Dorfteiche zu Löschteichen, Zisternen an Rettungspunkten.
  • Förderung:
    • Programm: Förderung des Brandschutzes & ELER (Forst).
    • Satz: Bis zu 75 % der zuwendungsfähigen Ausgaben.

Baden-Württemberg

  • Wo wird gebaut? Schwarzwald, Schwäbische Alb, Rheinebene. Fokus auf Einzelgehöfte ohne Hydrantenanschluss.
  • Technologie: Unterirdische Zisternen (Beton) bevorzugt wegen Frostsicherheit in Höhenlagen.
  • Förderung:
    • Programm: VwV-Zuwendungen Feuerwehrwesen (Z-Feu).
    • Satz: Pauschalen oder Anteilsfinanzierung (ca. 50–70 %) für Löschwasserversorgung im Außenbereich.
    • Voraussetzung: Feuerwehrbedarfsplan der Gemeinde muss die Notwendigkeit bestätigen.

Bayern

  • Wo wird gebaut? Franken (Trockenheit), Alpenraum (schwer zugänglich).
  • Technologie: Im Alpenraum oft Staustufen in Bächen oder mobile Staustellen; in Franken Zisternen.
  • Förderung:
    • Programm: Bayerische Waldbrandrichtlinie und FwZuwV.
    • Satz: Standardförderung für Kommunen. Bayern setzt stark auf die Beschaffung von Fahrzeugen mit großen Wassertanks (TLF 4000), fördert aber auch Zisternen, wenn keine offene Entnahmestelle (Bach/See) verfügbar ist.

Öffentliche Förderung in Österreich

Die Situation in Österreich unterscheidet sich von Deutschland durch die Topografie massiv. Während in Deutschland der Waldbrand in der Fläche (Ebene) das Hauptthema ist, dominieren in Österreich zwei Szenarien:

  1. Waldbrand im steilen Schutzwald (schwer erreichbar).
  2. Objektschutz auf Almen/Berghöfen (kein Hydrantennetz).

Hier ist die Aufschlüsselung nach Regionen, Technologien und Fördertöpfen (Stand 2025/2026).


1. Die Hotspots der Installation

Niederösterreich (NÖ) – Der „Brenn-Punkt“

Niederösterreich ist das Bundesland mit dem höchsten Waldbrandrisiko (Föhrenwälder, Trockenheit im Osten).

  • Regionen:
    • Steinfeld / Föhrenwald (Wiener Neustadt, Neunkirchen): Hier ist der Boden extrem durchlässig (Schotter). Offene Teiche funktionieren kaum. Es werden massiv geschlossene Zisternen (Beton/Stahl) und Saugbrunnen gebaut.
    • Waldviertel: Große zusammenhängende Forste. Hier werden alte Fischteiche zu Löschteichen umgewidmet und mit Saugstellen (DIN/ÖNORM-Anschlüsse) für die Feuerwehr „befahrbar“ gemacht.
    • Rax/Schneeberg: Nach dem Großbrand 2021 (Hirschwang) wurde hier in mobile Löschwasserkissen und Alu-Behälter investiert, die per Helikopter auf Plateaus geflogen werden können.

Tirol & Vorarlberg – Die alpine Herausforderung

Hier geht es weniger um Flächenbrände, sondern um den Schutz von abgelegenen Tourismus-Betrieben, Seilbahnstationen und Almen.

  • Regionen:
    • Tiroler Oberland & Seitentäler: Viele Gemeinden verpflichten Bauherren von abgelegenen Chalets oder Hotels zum Bau privater Löschwasserzisternen (oft 30–100 m³ unterirdisch), um das Landschaftsbild nicht zu stören.
    • Vorarlberg (Bregenzerwald/Montafon): Hier wird stark auf Dual-Use-Systeme gesetzt. Beschneiungsteiche für den Winter dienen im Sommer als Löschwasserreservoirs. Neue Speicherteiche werden oft strategisch so geplant, dass sie beide Funktionen erfüllen (Synergieeffekt).

Kärnten & Steiermark – Die Sturm-Folgen

Durch Stürme und Borkenkäfer liegt viel Totholz in den steilen Hängen.

  • Maßnahme: Ausbau des Forstwegenetzes („LKW-befahrbar“) in Kombination mit Wendeplätzen und Zisternen.
  • Technik: In der Steiermark sieht man häufig Löschwasserbehälter aus GFK (Glasfaser), die an Forstwegen eingegraben werden, da diese leichter zu transportieren sind als Betonringe.

2. Technologie-Trend: Was wird wo verbaut?

In Österreich gibt es eine klare technische Trennung nach Höhenlage:

TechnologieEinsatzgebietBesonderheit in Österreich
Unterirdische Zisterne (Beton/Kunststoff)Tal- und Hügellagen (NÖ, Burgenland, Steiermark), Gewerbegebiete.Standardlösung für dauerhaften Objektschutz. Muss frostsicher (mind. 80-100cm tief) sein.
Löschwasserkissen / FaltbehälterHochgebirge, Naturschutzgebiete.Werden oft nur für die Waldbrandsaison (Sommer) temporär ausgelegt oder als „Fly-In“-Lösung für den Hubschrauber bereitgehalten.
Beschneiungsteiche (Dual-Use)Skigebiete (Tirol, Salzburg, Vorarlberg).Die wichtigste Löschwasserquelle in den Alpen. Neue Teiche erhalten fast immer eine Saugstelle für Helikopter (Basket-Tauchstelle).

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3. Die Förderung in Österreich (Der „Gamechanger“)

Anders als der föderale Flickenteppich in Deutschland hat Österreich mit dem Waldfonds ein mächtiges, zentrales Instrument geschaffen.

Der Waldfonds (Bundesweit)

Das ist der wichtigste Topf für Waldbesitzer und Gemeinden.

  • Basis: Waldfondsgesetz.
  • Maßnahme 8: „Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Waldbränden“.
  • Was wird gefördert?
    • Errichtung von Löschwasserentnahmestellen (Teiche, Zisternen).
    • Wegebau zu diesen Stellen (damit das Tanklöschfahrzeug hinkommt).
    • Anschaffung von spezieller Waldbrand-Ausrüstung für Feuerwehren (inkl. mobile Falttanks).
  • Förderhöhe: Sehr attraktiv, bis zu 80 % der Kosten.
  • Abwicklung: Über die Landesforstdirektionen der Bundesländer.

Landesförderungen (Feuerwehrwesen)

Zusätzlich gibt es Gelder aus der Feuerschutzsteuer der Länder (Kats-Mittel).

  • Beispiel Niederösterreich: Das Land fördert den Bau von Löschwasserbehältern in Gemeinden oft mit Zinszuschüssen oder Direktzahlungen (Bedarfszuweisung), wenn der Landesfeuerwehrverband die Notwendigkeit bestätigt.
  • Beispiel Tirol: Hier gibt es Förderungen für Alm-Infrastruktur, die auch Wasserversorgung beinhalten kann.

4. Wichtige Vorschriften (Normen)

Wenn Sie in Österreich planen, müssen Sie andere Normen zitieren als in Deutschland:

  • TRVB F 137: Das ist die „Bibel“ für Löschwasserversorgung in Österreich. Sie regelt genau, wie viel Kubikmeter Wasser für welches Gebäude/Gebiet nötig sind und wie die Saugstelle (Storz-Kupplung A) aussehen muss.
  • ÖWAV-Regelblätter: Relevant für die Dichtheit und ökologische Verträglichkeit von Teichen.

Zusammenfassung für Planer

  1. Im Flachland (NÖ, Burgenland): Bauen Sie feste, unterirdische Zisternen und nutzen Sie den Waldfonds (Maßnahme 8).
  2. Im Gebirge (Tirol, Vbg): Prüfen Sie die Mitnutzung von Beschneiungsanlagen oder planen Sie Zisternen als Teil der Alm-Erschließung.
  3. Temporär/Notfall: Mobile Kissen sind in Österreich primär Sache der Stützpunktfeuerwehren (Flugdienst), weniger fest installiert vor Ort.

Förderung in der Schweiz

Die Schweiz ist ein Sonderfall in der D-A-CH-Region. Aufgrund der Topografie (Alpen) und der föderalen Struktur ist der Markt hier zweigeteilt:

  1. Hochgebirge/Südschweiz: Fokus auf Waldbrandbekämpfung per Helikopter (mobile Becken).
  2. Voralpen/Mittelland: Fokus auf Objektschutz für abgelegene Höfe („Maiensäss“, Weiler) durch feste Zisternen.

Hier sind die Details nach Kantonen und Technologien (Stand 2025/2026).


Die Hotspots der Installation

Die Verbauung konzentriert sich massiv auf die „Trockentäler“ und die Südalpen.

Kanton Wallis (Valais) – Das Trockenhaus

Das Wallis ist der Kanton mit der höchsten Dichte an mobilen und festen Speichersystemen, da es hier extrem trocken ist (Steppe).

  • Regionen:
    • Vispertal, Mattertal (Zermatt/Täsch): Hier ist die Brandgefahr durch Tourismus und Trockenheit extrem hoch.
    • Mittelwallis (Sion/Sierre): Die sonnenexponierten Hänge sind oft schwer zugänglich.
  • Technologie & Taktik:
    • Mobile Faltbecken (30–50 m³): Diese werden strategisch als „Rotationsbecken“ für Helikopter (Air Zermatt / Air-Glaciers) genutzt. Der Helikopter tankt hier im Schwebeflug auf, um die Flugzeit zum nächsten natürlichen See zu verkürzen.
    • Bewässerungsteiche („Bisses“): Historische Wasserleitungen und deren Speicher werden zunehmend digital erfasst und für die Feuerwehr als Entnahmestellen markiert.

Kanton Tessin (Ticino) – Die Winterbrand-Gefahr

Im Tessin brennt es oft im Winter/Frühling (trockene Vegetation, kein Schnee in Tallagen).

  • Regionen:
    • Centovalli, Valle Maggia, Leventina: Tiefe, steile Täler mit viel Kastanienwald.
  • Maßnahme:
    • Sanierung von Steingspeicher: Alte Zisternen auf den „Monti“ (Alpen) werden saniert und abgedichtet.
    • Mobile Löschwasserkissen: Werden oft präventiv in Trockenperioden von der Feuerwehr (Pompieri) an strategischen Forstwegen installiert.

Kanton Graubünden (Grisons)

Der größte Kanton setzt auf Dual-Use-Konzepte.

  • Regionen: Engadin, Prättigau, Rheintal.
  • Konzept:
    • Jeder neue Beschneiungsteich muss eine Helikopter-Entnahmestelle haben.
    • Viehtränken auf Alpen werden oft als Löschwasserreserve (mit Storz-Kupplung) überdimensioniert gebaut.

Das Finanzierungssystem in der Schweiz ist einzigartig und sehr effizient. Es läuft nicht über „Fördertöpfe“ im deutschen Sinne, sondern über die Gebäudeversicherungen.

In 19 der 26 Kantone gibt es eine Kantonale Gebäudeversicherung (KGV/GVA) mit Monopolstellung. Diese Versicherungen haben ein massives Eigeninteresse daran, Schäden zu verhindern.

  • Der Mechanismus:
    • Die Gebäudeversicherung (z.B. GVZ in Zürich, GVB in Bern, GVR in Graubünden) subventioniert Brandschutzmaßnahmen direkt.
  • Was wird bezahlt?
    • Gemeinden: Erhalten Beiträge an die Anschaffung von Tanklöschfahrzeugen und den Bau von Löschwasserreservoirs.
    • Private: Wer ein abgelegenes Haus (ohne Hydrant) besitzt und eine Zisterne baut, bekommt oft einen prozentualen Zuschuss von der KGV, da dies das Risiko eines Totalverlusts senkt.
    • Beispiel Kanton Bern (GVB): Die GVB unterstützt Gemeinden proaktiv beim Erstellen von „Generellen Wasserversorgungsplanungen“ (GWP) und zahlt an die Infrastruktur.

Wald-Förderung (Bund/BAFU)

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) fördert Maßnahmen im Schutzwald.

  • Wenn eine Zisterne dazu dient, einen Schutzwald (der ein Dorf vor Lawinen schützt) vor Feuer zu bewahren, fließt Bundesgeld über die NFA-Programmvereinbarungen an den Kanton.

Wichtige Schweizer Normen und Planungshilfen

Wer in der Schweiz plant, muss folgende Regelwerke kennen:

  1. FKS-Richtlinien (Feuerwehr Koordination Schweiz):
    • Hier ist geregelt, wie viel Löschwasser (l/min) für welches Objekt nötig ist.
    • Faustformel: Für abgelegene Einzelhöfe werden oft 50–100 m³ Vorrat verlangt.
  2. Der „Löschwasser-Atlas“:
    • Viele Kantone (z.B. Zürich, Aargau) haben digitale Karten (GIS), in denen jeder Hydrant und jede Zisterne verzeichnet ist.
    • Wichtig: Private Zisternen müssen oft eingemessen und gemeldet werden, damit die Feuerwehr sie im Einsatzleitsystem sieht.
  3. Anschlüsse:
    • In der Schweiz ist das Storz-System (wie in DE/AT) Standard (Storz 55/75).
    • Aber: In alten Zisternen im Tessin oder Wallis finden sich manchmal noch kantonale Spezialgewinde. Adapter sind auf den Fahrzeugen, aber bei Neuinstallationen ist Storz Pflicht.

Zusammenfassung für Ihren Zweck

  • Wenn Sie Systeme verkaufen: Wenden Sie sich an die Kantonalen Gebäudeversicherungen (Präventionsabteilungen) und die Forstämter im Wallis und Tessin.
  • Wenn Sie eine Zisterne planen: Fragen Sie zuerst bei Ihrer Gebäudeversicherung nach „Beiträgen für präventiven Brandschutz“.
  • Trend: Die Schweiz rüstet massiv auf luftgestützte Brandbekämpfung um. Mobile Becken, die schnell auf Wiesen für Helikopter aufgebaut werden können, sind derzeit gefragter als statische, schwer erreichbare Teiche.

Förderung in Luxemburg

Hier ist die Analyse für das Großherzogtum Luxemburg.

Luxemburg ist ein Sonderfall: Da das Land klein und zentral organisiert ist (seit der Reform 2018 unter dem CGDISCorps Grand-Ducal Incendie et Secours), gibt es hier keinen „Flickenteppich“ wie in Deutschland. Die Strategie ist landesweit einheitlich und auf sehr hohem technischem Niveau.

Der Fokus liegt hier klar auf der Dualität: Massive Zisternen für die Industrie im Süden und mobile Systeme für die Wälder im Norden (Ösling).


1. Die Hotspots der Installation

Der Norden (Ösling / Ardennen) – Die Waldbrand-Front

Das Ösling ist geologisch Teil der Ardennen/Eifel. Hier gibt es tiefe Täler, viel Nadelwald und Schieferböden, die Wasser schlecht speichern.

  • Standorte: Regionen um den Obersauer-Stausee, Clervaux und Wiltz.
  • Problem: Die Topografie ist für große Tanklöschfahrzeuge schwierig.
  • Lösung:
    • Mobile Falttanks (System „Waldbrand“): Der CGDIS hat spezielle Waldbrand-Einheiten (Unité Spécialisée Feux de Forêts) aufgestellt. Diese nutzen strategisch platzierte Faltbehälter (oft 10.000 – 30.000 Liter) als Puffer für den Pendelverkehr.
    • Hubschrauber-Support: Da Luxemburg über eine aktive Polizei-Hubschrauberstaffel verfügt (die auch löscht), werden mobile Becken oft als „Dip-Points“ (Tauchstellen) auf Wiesen aufgebaut, damit die Hubschrauber nicht bis zum Stausee fliegen müssen.

Der Süden & Zentrum (Gutland) – Industrie & Tunnel

Im dichter besiedelten Süden liegt der Fokus auf technischem Objektschutz.

  • Standorte: Industriegebiete (Esch-sur-Alzette, Differdange) und die großen Infrastruktur-Projekte (Autobahntunnel).
  • Lösung:
    • Unterirdische Groß-Zisternen: Bei neuen Logistikzentren oder Erweiterungen der Industriezonen fordert die „Inspection du Travail et des Mines“ (ITM) oft riesige Löschwasservorräte (oft >100 m³), die unterirdisch in Beton verbaut werden.
    • Tunnel-Sicherheit: An den Portalen der Autobahntunnel (z.B. Tunnel Grouft, Tunnel Gousselerbierg) sind massive Löschwasserbecken fest verbaut.

2. Technologie: Was ist „Luxemburg-Standard“?

In Luxemburg ist das Material oft neuer und einheitlicher als in den Nachbarländern.

TechnologieEinsatzzweckBesonderheit Luxemburg
Mobile Faltbehälter (Selbstaufrichtend)Waldbrand-Züge (Nord)Gehören zur Standardbeladung der neuen WLF (Wechselladerfahrzeuge) des CGDIS. Das Konzept ist extrem modular.
Beton-Zisternen (Monolithisch)Industrie & NeubaugebieteWerden oft bereits in der Erschließungsphase von „Zones d’Activités“ (Gewerbegebieten) zentral vom Bauträger installiert.
Saugstellen an GewässernMosel / SauerEntlang der Grenzflüsse sind feste Saugstellen („Puisards“) installiert, die mit Hochleistungspumpen (HFS-Systemen) kompatibel sind.

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3. Organisation und Zuständigkeit (Der „One-Stop-Shop“)

Wer in Luxemburg Löschwasser braucht oder Systeme anbietet, hat es einfach, denn es gibt fast nur einen Ansprechpartner.

  • Planung & Taktik:CGDIS (Corps Grand-Ducal Incendie et Secours).
    • Seit der Fusion aller lokalen Feuerwehren entscheidet die zentrale Direktion, welches Material beschafft wird. Wenn der CGDIS sagt „Wir brauchen mehr Faltbehälter für den Norden“, wird das zentral ausgeschrieben.
  • Prävention & Wald:ANF (Administration de la nature et des forêts).
    • Die Forstverwaltung arbeitet eng mit dem CGDIS zusammen, um Waldwege so zu befestigen, dass sie zu den Wasserentnahmestellen führen. Sie kartieren auch alte Weiher, die als Zisterne reaktiviert werden können.
  • Finanzierung:
    • Da der Brandschutz staatlich organisiert ist, fließt das Geld direkt aus dem Budget des Innenministeriums (bzw. des CGDIS-Budgets, das von Staat und Gemeinden gespeist wird).
    • Es gibt keine klassischen „Förderanträge“ für Gemeinden wie in Deutschland, da die Gemeinde Teil des CGDIS ist. Die Beschaffung läuft zentral.

4. Strategischer Hinweis für Luxemburg

  1. Cross-Border-Kompatibilität:
    • Luxemburg übt oft mit Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Belgien und Frankreich.
    • Systeme (Kupplungen) sind fast immer Storz (Deutsch) oder kompatibel mit DSP (Französisch/Belgisch) durch Adapter. Wenn Sie Systeme planen, achten Sie auf diese Internationalität.
  2. Hohe Standards:
    • Luxemburg orientiert sich bei Normen oft an einer Mischung aus DIN (Deutsch) und EN (Europäisch). Billiglösungen haben hier kaum eine Chance; gefragt sind langlebige, wartungsarme Systeme (z.B. Edelstahl-Armaturen in Zisternen statt verzinktem Stahl).

Zusammenfassung: In Luxemburg müssen Sie nicht bei jedem Bürgermeister einzeln anklopfen. Der Schlüssel liegt beim Zentrum des CGDIS und der Abteilung für Logistik/Beschaffung.